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Heu selbst herstellen
kleine Heukunde

Heu - duftende Wiesen, frisch geschnitten, Sommersonne, Sommerwind, das Alles fällt mir ein, wenn ich an Heu denke. Aber auch ein anderer Gedanke kommt mir dabei in den Sinn: Zoofachhandel. Tüten mit überteuertem Heu, Herkunft unbekannt. Wie wurden die Wiesen behandelt, ist vielleicht gleich angrenzend ein Feld, auf dem Pestizide und andere Pflanzenschutzmittel ausgebracht wurden?
Darum haben wir uns entschlossen, das Heu für unsere Meerschweinchen selbst herzustellen. Da wir eine große Wiese besitzen ist das für uns kein Problem. Doch zur richtigen Herstellung von Heu gehört doch noch etwas mehr dazu, als nur das Gras zu mähen und einfach trocknen zu lassen.
Damit hier kein falscher Eindruck entsteht: Wir haben selbst keine Landwirtschaft, aber einen Teil einer alten, sehr kleinen Landwirtschaft geerbt. Daher die Wiese und der Traktor. Das gute Stück wäre auch für eine moderne Landwirtschaft etwas zu unterdimensioniert. Und die einzigen Schweinchen die wir haben, sind natürlich unsere Moppel, für die wir keine Mühen scheuen.

 

 














Wie soll gutes Heu aussehen ?

  • die Farbe ist grünlich oder beige

  • es duftet aromatisch und würzig

  • es ist staubarm

  • es ist trocken

  • es sollte vom 1. Schnitt stammen

  • die Halme sind fest, griffig und lang

Solches Heu darf nicht verfüttert werden:

  • es richt muffig oder nach Pilz
  • es ist grau - Schimmelbefall
  • blasse, fahle Farbe - niedriger Nährstoffgehalt durch Regen nach dem Schnitt
  • bräunliche - schwarze Verfärbungen - Überhitzung bei der Lagerung
  • es ist stark staubig
  • mit erkennbar giftigen Pflanzen (Sumpfschachtelhalm, Adlerfarn, Adonisröschen, Herbstzeitlose, Kreuzkraut, Schierling), sie behalten auch nach der Trocknung ihre Toxizität !)
  • es enthält Tierkadaver

 

 



Zur Herstellung von Heu

Um gutes Futterheu herzustellen braucht man zunächst eine Wiese. Diese sollte mit verschiedenen Wiesenpflanzen, Kräutern und Gräsern bewachsen sein.Dabei ist darauf zu achten, dass evtl. vorhandene Giftpflanzen, die ihre toxische Wirkung nicht durch Trocknung verlieren, entfernt werden. Hahnenfußgewächse müssen nicht entfernt werden, sie sind als Heu ungiftig.
Die Wiese darf zur Heuherstellung nur mit einem geeigneten Mäher (Balkenmäher, Kreiselmäher) oder der Sense geschnitten werden, sofern Sie nicht über einen Traktor verfügen.
Gemäht wird natürlich nur bei trockenem Wetter und wenn das Wetterradar mindestens 3 Tage sicher schönes Wetter vorhersagt. Warmes und windiges Wetter ist optimal. Der richtige Zeitpunkt zum Mähen wäre so um die Pfingstzeit, wenn die Gräser noch nicht blühen. Leider spielt das Wetter nicht immer mit, deshalb im Zweifelsfall lieber noch etwas länger warten, bis trockenes Wetter ist.
Nach der Mahd wird das Gras zunächst zum ersten, oberflächlichen Abtrocknen liegengelassen. Ja nach Temperatur wird es nach ca. 3. Stunden zum ersten mal gewendet, was man am Besten mit einer Heugabel macht. Danach wird das Gras, das ja bereits angefangen hat zu trocknen, regelmäßig alle ca. 3-4 Stunden gewendet. Gegen Abend wird dann das schon gut angetrocknete Gras zu Strängen zusammen gerecht, damit die Feuchtigkeit der Nacht am Morgen schnell abtrocknet.
Am nächsten Morgen wird das Gras wieder etwas ausgebreitet, um besser trocknen zu können. Je nach Witterung, wenn es sehr warm und trocken ist, können Sie das fertige Heu am 3. Tag einholen. Dazu darf es sich aber keinesfalls feucht anfühlen! Durch die Feuchtigkeit und ungenügende Belüftung kommt es zu chemischen Prozessen die das Gras stark erhitzen. Ab 70 ° C herrscht akute Brandgefahr ! Dadurch ist schon so mancher Stadel (ScheunFrisches Heu darf keinesfalls verfüttert werden! Es würde im Darm zu Gärprozessen kommen, welche Blähungen und Koliken verursachen. Während des Reifeprozesses schwitzt das Heu Restfeuchtigkeit aus und fermentiert. Diese Fermentierung die durch Bakterien die sich auf dem Grüngut befinden ausgelöst wird, werden Zellen gebrochen (ein Stoffwechselprozess)  und das Heu wird besser verdaubar. Wenn in dieser Phase nicht für genügend Belüftung gesorgt wird, bleibt das Schwitzwasser im Heu und es kommt zu Schimmelbildung!



Lagerung von Heu

luftig - dunkel - trocken - sauber

Idealerweise erfolgt die Lagerung von Heu in einem Heustadel (Scheune) auf Holzbohlen. Keinesfalls auf dem Betonboden, da hier die Luftzirkulation nicht gewährleistet ist. Natürlich verfügt nicht jeder über einen Stadel, und nicht jeder benötigt solche Mengen an Heu wie wir (wäre für 2 kleine Meerschweinchen auch etwas übertrieben). Aber sicher haben Sie in Ihrer Wohnung einen Ort an dem eine ähnlich gute Lagerung möglich ist, z. B. die Speisekammer. Damit das Heu nicht schwitzt und sich damit Schimmelpilze ansiedeln, empfehle ich die Lagerung in alter Bettwäsche, z. B. einem Kissenbezug. Wer ein Gartenhäuschen oder einen luftigen Schuppen hat, kann das Heu natürlich auch dort lagern.

Grummet, Günmahd, Emd

Als Grummet/ Grünmahd/ Emd bezeichnet man Heu vom 2. oder 3. Schnitt. Dieses Heu ist sehr Eiweiß- und Nährstoffreich und hat einen geringeren Rohfaseranteil. Deshalb ist es hauptsächlich zur Fütterung an Kühe geeignet. Bei Pferden löst es Koliken aus und sollte deshalb nicht verfüttert werden. Bei Meerschweinchen spricht nichts dagegen,

Heucobs und Heupellets

bestehen aus Heu, das geschnitten und anschließend zu kleinen Würfeln oder anderen Formen gepresst wurde. Das ist mit Sicherheit die teuerste Alternative Heu zu verfüttern, aber wenn Ihr Meerschweinchen, was in seltenen Fällen vorkommt, unter Heuschnupfen leidet, eine geeignete Alternative.Meerschweinchen, was in seltenen Fällen vorkommt, unter Heuschnupfen leidet, eine geeignete Alternative.


Kräuterheu

oder Heu mit hohem Kräuteranteil ist nicht zwingend als besonders gesund einzustufen, da die meisten Kräuter auch Heilpflanzen sind und deshalb auch Bestandteile enthalten die medizinisch Wirksam sind.
Deshalb nur in geringen Mengen und als Zusatzheu verfüttern. Getrocknete Kräuter im Einzelfall je nach Wirkungsspektrum lieber einzeln verfüttern.
Frische Kräuter, gesammelt und zum Trocknen ausgelegt

 

Kräuter zum Trocknen ausgelegt

 

Brennnessel

 

Zitronenmelisse

 

Dill

Dill zum trocknen ausgelegt 

Liebstöckel

 


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Stroh

Stroh wird aus gedroschenen Getreidehalmen hergestellt. Es ist nicht sehr nährstoffreich und stärkehaltig. Deshalb ist es als Raufutter für Meerschweinchen nicht zu empfehlen. Dazu kommt, dass im Getreideanbau immer häufiger chemische Keulen eingesetzte werden um die Halme kurz zu halten, damit das Getreide nicht so anfällig gegen Wind- oder Regenbruchist. Ich verwende Stroh als zusätzliche Lage bei der Einstreu. Wenn die Meerschweinchen dann nach dem Einstreuen am frischen Stroh jedoch den einen oder anderen Halm knabbern, spricht nichts dagegen, solange sie Heu haben. Gutes Stroh bekommen Sie preiswert bei den Bauern, auch in
Kleinballen. Stroh muss wie Heu sauber, trocken und dunkel gelagert werden.



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©Eva-M. Ganslmeier