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Informationen zur Zucht von Meerschweinchen

Babygruppe2

Meerschweinchenzucht und was man darüber wissen sollte

 

1 + 1 = viele

 
In erster Linie, sollte jeder, der sich mit dem Gedanken trägt Tiere zu züchten, erst einmal darüber nachdenken, ob und wie er für die Jungtiere, die er nicht zur Weiterzucht behalten kann, Abnehmer findet. Wenn es nur darum geht, ein Weibchen einmal zu einem Bock zu setzen, nur „um mal zu sehen was dabei heraus kommt", kann man noch lange nicht von Zucht sprechen. Denn, dass den Gesetzen der Natur folgend, Männlein und Weiblein irgendwann Nachwuchs bekommen, ist so ziemlich sicher.
Von der einfachen Vermehrung von Meerschweinchen zur Züchtung ist es ein großer Schritt. Leider lassen es vorwiegend unerfahrene Halter oftmals zu, dass sich die Tiere unkontrolliert vermehren, was ohne das nötige Fachwissen schwerwiegende Folgen für die Jungtiere und die Mutter haben kann.
Nur einmal Babys? Sicher, Tierbabys sind absolute Herzensbrecher. Aber ich kann davon nur abraten. Bevor man so etwas macht, sollte man sich trotzdem die notwendigen Basics zur Zucht aneignen um Komplikationen zu vermeiden. Immer wieder höre ich: "Ich möchte 2 Weibchen, meine Freundin hat 2 Böckchen, die wollen wir mal zusammen lassen. " Das bringt für den unerfahrenen Halter ungeahnte Schwierigkeiten mit sich, denn die beiden Böckchen werden sich nach dem zumindest einer Kontakt mit dem Weibchen hatte nicht mehr vertragen und für immer Feinde sein. Eine Rückvergesellschaftung ist wenn überhaupt, dann nur mit Schwierigkeiten möglich. Ausserdem sollte man sich auf jeden Fall im Klaren sein, dass es nicht Ziel und Zweck einer solchen Aktion sein kann, dass die Babys anschließend im Zoohandel landen, weil man keinen Platz mehr dafür hat.
Ein seriöser Züchter weiß zuvor schon ziemlich genau, was bei einer Verpaarung heraus kommt und kennt meistens mehrere Generationen der Vorfahren seiner Tiere. Wenn er diese nicht kennt, nimmt er Testverpaarungen vor, um Aufschluss über die genetischen Eigenschaften des Tieres zu erhalten.
Ein Züchter steckt sich ein genau definiertes Zuchtziel . Er verpaart gezielt nur Tiere mit einer speziellen Haarstruktur und eines Farbtypus. Falls von einer Verdünnungsfarbe zu wenige Tiere vorhanden sind, greift er auf Vollfarbentiere zurück und erhält erst in der übernächsten Generation wieder die gewünschte Farbe. Daher und zur Vermeidung von Inzucht muss ein Züchter zwangsläufig mehrere Dutzend Tiere artgerecht unterbringen können und so eine Linie aufbauen.

zu Bedenken

 

Was sollte man also alles bedenken, wenn man plant Meerschweinchen zu züchten?

 

Platz
  • Habe ich genug Platz um Jungtiere notfalls auch etwas länger zu behalten, wenn sich momentan kein neues zu Hause findet? Ich spreche von einem neuen zu Hause, weil es nicht das Ziel einer Zucht sein kann, dass die Tiere geboren werden um in einer Tierhandlung zu landen. Diese „Zwischenstation" sorgt bei den Tieren für eine unnötige Belastung und sollte nur im äußersten Notfall angestrebt werden. Bevor die Tiere aber im Zoo als Schlangenfutter enden, ist das vielleicht noch der bessere Weg, die Tiere zu vermitteln. Denn in der Zoohandlung kauft in der Regel keiner ein teures Meerschweinchen um es zu verfüttern.
Finanzen
  • Der Finanzielle Aspekt ist nicht außer Acht zu lassen. Habe ich genügend Geldreserven um bei eventuellen Notfällen während der Schwangerschaft oder Geburt einen Tierarzt bezahlen zu können? Meerschweinchenzucht ist alles andere als ein Gewinn bringendes "Geschäft". Der Verkauf einiger Tiere deckt nicht einmal ansatzweise die hohen Kosten für die artgerechte Versorgung der Tiere. Es ist eher ein kostspieliges Hobby, eine Leidenschaft.

    Ein Rechenbeispiel: Die Moppelbande benötigt pro Monat

 

  • Frischfutter  ca. 100 € (Gras und Gemüse aus eigener Ernte nicht mitgerechnet)
  • Einstreu        ca.   48 € (Günstiger Einkauf über Großlieferanten)
  • Heu & Stroh ca.    15 € (Günstiger Einkauf über Bauern)

    Das sind Summa Sumarum 163,00 €/Monat nur für das Nötigste. Dazu kommen noch Extras wie Tierarztkosten, wenn erforderlich Medikamente, etwas Kraftfutter, hier ein neues Häuschen, da eine neue Trinkflasche oder Futterraufe.....
  • Ach ja, und man braucht natürlich auch einen eigenen Kühlschrank für die Schweinchen. ;-)
  • kuehlschrank landshuter moppelbande

 

Genetik
  • Dies ist bei Meerschweinchen ein sehr wichtiger Aspekt, denn ohne ein gewisses Grundwissen über Rassen, Vererbung und Farblehre kann es zu sehr traurigen Ergebnissen kommen. Hier reicht es nicht aus, sich im Internet mal schnell eine Seite durchzulesen. Das betrifft vor allen Dingen die Zucht von Dalmatiner , Schimmel und Satinmeerschweinchen . Es gibt Zahlreiche Informationen zur Zucht dieser Farbschläge in der gängigen Fachliteratur. Wenn Sie planen, eine dieser Farbschläge zu züchten, müssen sie unbedingt das nötige Hintergrundwissen erwerben.
Amtliches
  • Eine häufige Frage ist: Brauche ich eine Genehmigung um eine Meerschweinchenzucht zu betreiben? Das ist von den Vorschriften ihres örtlichen Ordnungsamtes abhängig. Bitte fragen sie dort gezielt nach, bevor sie eine Zucht beginnen. Das Ordnungsamt Landshut fordert eine Anmeldung wenn man mehr als 100 Jungtiere/Jahr bekommt. Dann erst ist eine Veterinäramtsärztliche Prüfung erforderlich.
Unterkunft
  • Der Käfig/ Stall sollte groß genug sein, um einen eventuell zu erwartenden Babyboom artgerecht unterzubringen. Die gewohnte Umgebung sollte nicht verändert werden, weil das für die Eltern nur zusätzlichen Stress bringt und für die Jungen in der Regel nicht erforderlich ist. Der Käfig sollte von Außen abgedeckt werden, um die Mutter und die Jungtiere nicht zu stören.
Entsorgung

Auch daran muss man vorher denken: Kleinvieh macht Mist, und das nicht zu wenig. Wohin mit dem Mist, wenn man keinen eigenen Misthaufen oder sehr großen Komposthaufen hat? Manche Gemeinden und Städte verbieten die Entsorgung in die öffentlichen Grüngutcontainer. 

So sieht das jede Woche bei der Moppelbande aus, wenn ganz normal ausgemistet wird und nichts vorgefallen ist, was ein zusätzliches Ausmisten erfordert:

mist Landshuter Moppelbande

Wann können Meerschweinchen sich paaren?
  • Biologisch gesehen können Meerschweinchen sich das ganze Jahr über paaren. In unseren Breitengraden ist das aber nur bei Indoorhaltung zu empfehlen. Besser ist es auf jeden Fall, die Verpaarung so zu planen, dass die Geburt in die Monate April bis Oktober fällt, da in dieser Zeit der Speiseplan durch frisches Grünfutter optimal ergänzt werden kann
Die Auswahl der Zuchttiere
  • Die Elterntiere müssen rundum gesund und kräftig sein und möglichst einen Abstammungsnachweis besitzen, aus dem man genetische Anlagen ersehen kann.
  • Weibchen sollten mindestens 4, besser 6 Monate für die erste Verpaarung, aber keinesfalls älter als 1 Jahr für den ersten Wurf sein und ein Mindestgewicht von 700g, mit 1 Jahr ca. 900-1000 g haben.
  • Weibchen dürfen wegen der Gefahr einer Trächtigkeitstoxikose zur Zucht niemals mehr als 1100 g wiegen, bevor sie gedeckt werden.
  • Weibchen sollten ab einem Alter von 3 Jahren nicht mehr gedeckt werden, da dies ein hohes Risiko für die Mutter und die Babys birgt.
  • Meerschweinchenweibchen haben, wie viele Säugetiere, eine Symphyse. Das ist eine knorpelige Kontaktstelle zwischen Scham- und Sitzbeinen der rechten und linken Beckenhälfte, die während der Trächtigkeit durch den Einfluss der Hormone, die sich während der Trächtigkeit umstellen, in schleimiges Bindegewebe umgewandelt und geweitet wird, damit die Babys den Geburtskanal passieren können. Das ist bei uns Menschen genau so. Das Becken wird zusätzlich von den Beckenbändern zusammengehalten. Die Symphyse lockert sich durch das Hormon Relaxin ab dem letzten Trächtigkeitsdrittel und öffnet sich ca. 5 Tage vor der Geburt 1,5 - 2 cm breit. Das kann man ertasten und als Hinweis dafür nehmen, dass die Geburt kurz bevor steht.
    Der erste Wurf sollte innerhalb des ersten Lebensjahres erfolgen, weil die Beckenbänder und die Symphyse sonst durch den fehlenden Einfluss der Hormone und die fehlende mechanische Dehnung ihre Elastizität verlieren. Bei einer späteren Trächtigkeit kommt es mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Komplikationen bei der Geburt, weil die Babys dann nicht durch den Geburtskanal passen. Ebenso verhält es sich, wenn der letzte Wurf länger als 12 Monate zurück liegt oder das Weibchen älter als 3 Jahre ist. Bei älteren Weibchen sinkt der Hormonspiegel im Rahmen des natürlichen Alterungsprozesses, wodurch die Symphyse ebenfalls nicht mehr gelockert wird. Die Beckenbänder können nicht mehr genügend gedehnt werden, weil sie ihre Elastizität verlieren.
  • Männchen sollten mindestens 3 Monate alt sein.
  • Nach Möglichkeit sollte man die Eltern der auserwählten Tiere anschauen. Daraus kann man Konstitution, Größe und Farbe beurteilen. 

 

Weitere Infos:

 

 

Zuchtziele

 

Zuchtziele

Bevor man diese Frage beantworten kann, muss man sich jedoch im Klaren sein, welche Rasse(n) und Farbe(n) man züchten möchte.
Jeder Züchter sollte ein bestimmtes Zuchtziel haben. Das Zuchtziel besteht meist in der Verbesserung und Festigung von Rassemerkmalen, so dass die Tiere dem von Zuchtverbänden vorgegebenen Rassestandard entsprechen. Aber auch die Zucht neuer Farbschläge in einer bestimmten Rasse kann ein Ziel sein.
Was ist der Rassestandard?
Der Rassestandard ist eine Aufstellung von rassespezifischen Merkmalen die ein Meerschweinchen besitzen muss, um der Rasse zu entsprechen, damit kein Züchter auf sich alleine gestellt ist. Auch Fehler werden hier aufgelistet.
  • Haarstruktur
  • Haarlänge
  • Wirbel
  • Körperbau
  • Farbe
Ausführliche Informationen zum Rassestandard gibt es auf der Seite von Kleintiernews:
Ein häufiges Problem ist aber, dass die als Rassestandart erwünschte, runde Kopfform (Römernase) zu einer Knickung des Tränen-Nasen-Kanals führt. Dadurch kommt es zu einem Rückstau der Tränenflüssigkeit. Die Tiere haben Augenausfluss, der virale oder bakterielle Infekte verursachen kann. Durch den angezüchteten zu kurzen Kiefer kommt es zu einem noch gravierenderen Problem. Unser Tierarzt muss im Durchschnitt jeden Monat 2 Tiere einschläfern, die nicht mehr fressen können, weil die Backenzähne so stehen, dass sie sich nicht abnutzen, dadurch werden die Zähne schnell zu lang und wachsen in den Gegenkiefer ein (Brückchenbildung). Das führt zu schmerzhaften Entzündungen und Abszessen, wodurch die Tiere große Qualen erleiden und nicht mehr fressen können. Das traurige Ende eines Schönheitsideals.  Ähnliche Probleme gibt es übrigens auch bei anderen Tierrassen.
Schönheitsideale: Nur ein fehlerfreies Meerschweinchen ist ein gutes Meerschweinchen?
Nein, das finden wir nicht. Der Rassestandard schreibt zwar vor, wie ein "schönes" Meerschweinchen auszusehen hat. Da gibt es dann eine Liste mit sogenannten Zuchtfehlern. Das kann zum Beispiel ein Faltohr sein, oder ein falsch platzierter Haarwirbel. Diese Tiere gelten dann als "zur Zucht nicht geeignet". Dennoch sind diese Meerschweinchen keine "Ausschussware". Man sollte sie nur nicht weiter zur Zucht einsetzen, da sich bestimmte Fehler rezessiv oder dominant weitervererben. Trotzdem sind es liebenswerte Tiere, die ein Recht auf ein schönes Zuhause und ein lebenswertes Leben haben.

Für uns ist bei der Zucht wichtig:  
  • Erhaltung und Verbesserung der Rasse Angora
  • Die Eltern müssen beide gesund und kräftig sein
  • Die Jungtiere sind durch die gute Konstitution der Eltern und die Aussenhaltung robust und nicht krankheitsanfällig
  • Die Weibchen bekommen nach jeder Geburt erst einmal eine Erholungspause von mindestens 3 Monaten bevor sie neu gedeckt werden dürfen
  • Wenn es Probleme mit der Vermittlung der Jungen gibt, z. B. in der Ferienzeit, wird vorläufig nicht mehr verpaart
  • Wir führen ein ordnungsgemäßes Zuchtbuch
  • Wir wollen unsere Zucht in einem relativ kleinen, überschaubarem Rahmen halten.

Unser Zuchtziel
Wir möchten, dass unsere Angoras möglichst viele, gut angeordnete Wirbel bekommen. Die Farbe ist für uns bislang  eher sekundär. Es ist auch nicht leicht passende Angoras zur Zucht zu bekommen, da es nur wenige Züchter dieser Rasse und entsprechend wenig Ausgangstiere gibt.
Genetisch ist das Angorameerschweinchen identisch mit dem Peruanermeerschweinchen. Aber sie unterscheiden sich deutlich durch Anzahl und Sitz der Wirbel. Trotzdem ist ein Peruanermeerschweinchen mit Fehlwirbeln nicht automatisch ein Angorameerschweinchen. Dazu gehört schon ein bisschen mehr als nur ein oder zwei zusätzliche Wirbel. Es ist aber möglich Peruaner mit einzukreuzen, wenn man z. B. eine bestimmte Farbe züchten möchte und kein passendes Angoraweibchen zu finden ist. Deshalb findet man bei uns auch ein paar Peruanerweibchen in der Moppelbande.
Die Babys mit den besten Wirbeln behalten wir dann zur Weiterzucht. Das soll aber nicht heissen, dass die anderen Babys keine netten Meerschweinchen sind. Sie werden als Liebhabertiere an Meerschweinchenfreunde abgegeben.
 
Informationen zur Angorazucht gibt es hier.

Schimmel & Dalmatiner

Schimmel und Dalmatinerzucht

Schimmel und Dalmatiner haben in der Meerschweinchenzucht eine Sonderstellung und sollten, wenn überhaupt, nur von erfahrenen Züchtern gezüchtet werden. Jedes Meerschweinchen, das auch nur ein einziges weisses Haar aufweist, ist, sofern die Abstammung nicht 100% geklärt ist, vorsichtshalber als Schimmel anzusehen und darf nicht mit Schimmel oder Dalmatinermeerschweinchen verpaart werden.
Weitere Infos gibt es auf meiner Seite Schimmel und Dalmatinermeerschweinchen

Satinzucht

Satinzucht und Ostedystrophie

Satinmeerschweinchen: Erkennbar an ihrem auffällig glänzendem Fell, gibt es in allen Rassen und Farben. Es handelt sich hier um eine genetisch vererbbare Besonderheit in der Fellstruktur.   Die Haare sind hohl und reflektieren das Licht in besonderer Weise, dadurch entsteht der besondere Glanz. Sie vererben leider häufig die Osteodystrophie (OD) . Meerschweinchen, die an OD erkrankt sind, werden durchschnittlich nur ca. 2 Jahre alt.

Inzucht/Inzest/Linienzucht

Inzucht

  • Grundsätzlich sollten keine Geschwister miteinander verpaart werden - Inzucht muss vermieden werden.

Mögliche Folgen der Inzucht:

  • Schlucklähmung: Verpaarung aus Inzucht/Inzest ist häufig Ursache der gefährlichen Schlucklähmung, die oft den Tod der Meerschweinchen zur Folge hat und vielen Meerschweinchen-Freunden sicher ein Begriff ist. Schlucklähmung muss sofort behandelt werden, bei älteren Tieren kommt meist jede Hilfe zu spät.
  • Verkürzung der Lebensdauer
  • Die Meerschweinchen erreichen eine geringere Körpergröße


Definition von Inzucht/Inzest

Bei einem hohen Inzuchtgrad über mehere Generationen zeigt sich, dass die Tiere kleiner werden und einen schwächeren Körperbau haben. Oftmals verringert sich die Fruchtbarkeit und sie werden krankheitsanfälliger.

In der Natur wird Inzucht durchaus auch immer wieder vor, besonders bei Meerschweinchen, die ja in großen Familienverbänden leben. Dennoch reguliert die Natur hier auch immer wieder, da laufend Familienmitglieder die Gruppe verlassen (insbesondere Böcke) und aber auch neue Familienmitglieder dazu kommen.

Wann immer ein Abwandern der Tiere nicht möglich ist, entsteht Inzucht zwangsläufig über mehrere Generationen. Die Genvielfalt vermindert sich und es kommt zu genetischen Veränderungen und Inzuchtschäden.


Linienzucht

Genauso, wie negative Eigenschaften durch die abnehmende Genvielfalt verstärkt werden, verstärken sich aber auch positive Eigenschaften. Das macht sich die Zucht zunutze, wenn sie Inzucht einsetzt, um ganz bestimmte Zuchtziele zu erreichen. Dabei ist dann meist allerdings die Rede von Linienzucht.
Bei einer echten Linienzucht sind aber nicht einzelne Inzuchtverpaarungen gemeint, sondern ein aufwändiges Zuchtprogramm, dass im Idealfall mehrere Linien umfängt, die untereinander nicht verwandt sind, aber sehr ähnliche Eigenschaften aufweisen.

Eine sehr interessante Ausführung zur Linienzucht / Inzucht gibt es bei der Meerschweinchenzucht zum Hunigertach (Annas Viecher)

Inzest

Als Inzestzucht bezeichnet man Verpaarungen von Tieren, die ersten Grades miteinander verwandt sind. Also Geschwisterverpaarungen, Vater-Tochter oder Mutter-Sohn Verpaarungen.
Es gibt Formeln , den Inzuchtkoeffizienten zu berechnen.
Es gibt in der Literatur Angaben, dass ein Inzuchtkoeffizient ab 20% bedenklich ist, vor allem, wenn er über mehrere Generationen auftritt. Dann sind ernsthafte Schäden durch Inzuchtdepression nachweisbar. Leider kann ich hier nur die Informationen der Fachwelt übernehmen und selbst dazu keine Stellung nehmen.
Zur besseren Übersicht und Vereinfachung der Thematik gibt es diese Liste:
Verpaarung Inzuchtkoeffizient %
Elternteil X Kind 25,00%
Vollgeschwister 25,00%
Halbgeschwister 12,50%
Onkel X Nichte, Tante X Neffe 12,50%
Großelternteil X Enkelkind 12,50%
Zweifache Cousins ersten Grades 12,50%
4-fache Halbcousins ersten Grades 12,50%
3-fache Halbcousins ersten Grades 9,38%
1-fache Cousins ersten Grades 6,25%
2-facher Cousin ersten Grades X Cousin zweiten Grades 6,25%
2-facher Halb-Cousins ersten Grades 6,25%
1-facher Cousin ersten Grades X Cousin zweiten Grades 3,13%
2-fache Cousins zweiten Grades 3,13%
1-fache Halb-Cousins ersten Grades 3,13%
1-fache Cousins zweiten Grades 1,56%

 

Qualzucht

Qualzucht 

Als Qualzucht bezeichnet man in der Tierzucht die Förderung von Eigenschaften, die zu Schmerzen, gesundheitlichen Beeinträchtigungen, Leiden oder Verhaltensstörungen führen.

Qualzucht ist gemäß § 11 b des deutschen Tierschutzgesetzes verboten:

 

 § 11b
1) Es ist verboten, Wirbeltiere zu züchten oder durch bio- oder gentechnische Maßnahmen zu verändern, wenn damit gerechnet werden muss, dass bei der Nachzucht, den bio- oder gentechnisch veränderten Tieren selbst oder deren Nachkommen erblich bedingt Körperteile oder Organe für den artgemäßen Gebrauch fehlen oder untauglich oder umgestaltet sind und hierdurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten.
(2) Es ist verboten, Wirbeltiere zu züchten oder durch bio- oder gentechnische Maßnahmen zu verändern, wenn damit gerechnet werden muss, dass bei den Nachkommen
a)mit Leiden verbundene erblich bedingte Verhaltensstörungen auftreten oder
b)jeder artgemäße Kontakt mit Artgenossen bei ihnen selbst oder einem Artgenossen zu Schmerzen oder vermeidbaren Leiden oder Schäden führt oder
c)deren Haltung nur unter Bedingungen möglich ist, die bei ihnen zu Schmerzen oder vermeidbaren Leiden oder Schäden führen.
(3) Die zuständige Behörde kann das Unfruchtbarmachen von Wirbeltieren anordnen, wenn damit gerechnet werden muss, dass deren Nachkommen Störungen oder Veränderungen im Sinne des Absatzes 1 oder 2 zeigen.
(4) Die Absätze 1, 2 und 3 gelten nicht für durch Züchtung oder bio- oder gentechnische Maßnahmen veränderte Wirbeltiere, die für wissenschaftliche Zwecke notwendig sind.
(5) Das Bundesministerium wird ermächtigt, durch Rechtsverordnung mit Zustimmung des Bundesrates
 
1. die erblich bedingten Veränderungen und Verhaltensstörungen nach den Absätzen 1 und 2 näher zu besitimmen,
2. das Züchten mit Wirbeltieren bestimmter Arten, Rassen und Linien zu verbieten oder zu beschränken, wenn dieses Züchten zu Verstößen gegen die Absätze 1 und 2 führen

 Quelle: Bundesministerium für Justiz

 

Liste der betroffenen Merkmale des Gutachtens zur Auslegung des Verbotes von Qualzüchtungen

  
Ist Langhaarigkeit als Qualzucht anzusehen ?
Leider haben immer noch viele Menschen Vorurteile gegenüber der gezielten Zucht von Rassetieren. Dabei ist es gerade die kritische Auswahl der Zuchttiere, die gesunde und kräftige Tiere hervorbringt. Überall in der Haustierzucht ist durch gezielte Auslese eine Vielzahl neuer Rassen und Farben entstanden.
Was nun die Zucht von langhaarigen Meerschweinchen angeht, wäre es nur eine Qual für die Tiere, wenn man davon ausgeht, dass die Tiere in freier Wildbahn überleben müssten. Das muss aber hoffentlich keines unserer domestizierten Meerschweinchen, denn das können sie schon lange nicht mehr, schon gar nicht in unseren Breitengraden.  Desweiteren würde das auch langhaarige Katzen- und Hunderassen betreffen.
Jeder verantwortungsvolle Züchter und jeder Liebhaber, der sich für eine langhaarige Rasse entschieden hat, wird sicher auch gerne bereit sein, den geringen Mehraufwand für die artgerechte Fellpflege zu übernehmen. Bei guter Pflege hat ein langhaariges Meerschweinchen keinerlei Nachteile gegenüber einer kurzhaarigen Rasse.

Erbkrankheiten

 

Erbleiden/Erbkrankheiten

 

Bei rezessiven vererbbaren Leiden/Krankheiten stellt sich meist erst bei den ersten Verpaarungen und den daraus folgenden Würfen heraus, dass dieser Defekt vererbt wird. Diese Tiere sind kosequent aus der Zucht zu nehmen, ebenso die Jungtiere, auch wenn sich der Defekt bei Ihnen nicht zeigt.
Ein Beispiel dafür sind Rolllider.
Eine Rückverpaarung Vater/Tochter oder Mutter/Sohn kann auch Aufschluss über Erbkrankheiten oder rezessive Rassemerkmale geben.
 

Rolllider

Das Roll-Lid (Entropium)  ist eine rezessiv vererbbare Erkrankung, bei der sich ein oder beide Augenlider nach innen einrollen. Durch die Wimpernhärchen wird die Augenhornhaut gereizt und verletzt. Dadurch wird sie trübe. Bei Nichtbehandlung kann das Auge einen bleibenden Schaden bekommen oder ganz kaputt gehen.

Gesundes Meerschweinchenauge, man sieht deutlich den Lidrand

auge meerschweinchen landshuter moppelbande

Bei einem Rolllid ist der Lidrand nicht zu sehen, die Fellhaare scheinen zu nahe am Auge zu sein,
weil der Lidrand nach innen gerollt ist. Das Auge ist deutlich eingetrübt und gereizt.

rolllid2 meerschweinchen landshuter moppelbande

rolllid meerschweinchen landshuter moppelbande

Einige unserer Glatthaarbabys von Willi und Maja hatten Rollider, was bereits kurz nach der Geburt auffiel. Die Augen der Babys waren bereits zu diesem Zeitpunkt gereizt, was sich dann schnell verschlechterte. Die verletzte Hornhaut musste je nach Schweregrad 5-14 Tage behandelt werden, bis sich das Lid dann "ausgerollt" hat. Am schlimmsten hatte es den kleinen Yakari erwischt. Bei ihm hatten wir Anfangs sogar den Verdacht, dass er bereits erblindet ist. Er konnte nicht einmal davonlaufen, wenn man ihn genommen hat, da er anscheinend wirklich so gut wie überhaupt nichts gesehen hat. Aber auch er ist vollständig gesund geworden und wird keine bleibenden Schäden behalten. 

Die Behandlung erfolgt mit einer nährenden Augensalbe gegen die Verletzung. Diese muss je nach Schweregrad 3-5 x täglich auf die Hornhaut aufgetragen werden. Dabei sollte man das Augenlid ganz vorsichtig nach oben ziehen und "ausrollen". Das fördert die Heilung. Man kann auch versuchen das Augenlid mit Vaseline ein bisschen "festzukleben", damitt es sich strafft.

Da es sich um ein Erbleiden handelt, müssen diese Tiere unbedingt aus der Zucht genommen werden. Auch Jungtiere die selbst nicht betroffen waren, dürfen nicht zur Zucht eingesetzt werden. Wir sind aufmerksam geworden, als nun auch die Babys aus dem 3. Wurf den Willi gezeugt hatte Augenprobleme hatten. Bei den ersten beiden Würfen dachten wir an eine bakterielle Bindehautentzündung, die ansteckend ist. Aber nachdem auch der 3. Wurf, der 1/2 Jahr später geboren wurde, Probleme hatte, erforschten wir die Ursachen. Auch die Mutter Maja, hatte auf ungeklärte Weise ein Auge verloren, bevor sie zu uns kam. Das lässt darauf schließen, dass in dieser Linie scheinbar Roll-Lider rezessiv vererbt und bislang nicht erkannt wurden.

Für Maja haben wir einen guten Platz gefunden, Willi wurde kastriert und darf seither den großen Harem leiten. Selbstverständlich wurden die Tiere nach der neu gewonnenen Erkenntnis aus der Zucht genommen.

Roll-Lider können übrigens auch bei anderen Tierarten vorkommen.