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Kein Brot für Meerschweinchen
Viele Meerschweinchenfreunde glauben leider immer noch, dass
getrocknetes Brot zur Abnutzung der Zähne gut sei und dass es dazu
beiträgt, die Zahngesundheit unserer Lieblinge zu erhalten.
Das ist aber ein weitverbreiteter Irrtum. Zugegeben, es scheint
ihnen sehr gut zu schmecken.
In den Anfängen meiner Meerschweinchenhaltung wusste ich nämlich auch noch nicht, dass Brot
und Bäckereiprodukte aller Art für Meerschweinchen langfristig
schädlich sind und habe es ihnen gelegentlich verfüttert. Wer will
seinen Lieblingen schon so einen Leckerbissen vorenthalten?
Aber wie das auch bei unserer Ernährung ist, so schmecken uns doch
auch viele Sachen, die nicht wirklich gesund sind. Oder will da
einer behaupten, dass Weißbrot oder Semmeln (Brötchen)
ernährungsphysiologisch gesehen für uns gut sind? Ausser Kalorien
beinhalten sie nämlich nicht wirklich wertvolle Stoffe, die zur
Gesunderhaltung unserer Wohlstandskörper beitragen. Oder?
Nun wieder zurück zu den Meerschweinchen:
Zunächst die Zähne. Natürlich, wenn sie es mit ihren
Schneidezähnen abbeißen ist das Brot oder die Semmel noch hart und
mag einen gewissen, geringfügigen Abrieb erzeugen, da die
Meerschweinchenzähne ja relativ leicht abgenutzt werden. Aber
spätestens dann, wenn der Leckerbissen im Mäulchen nach hinten
wandert, wird er eingespeichelt und damit weich. Somit ist der
erhoffte Abrieb für die Backenzähne schon nicht mehr gegeben. Wie
denn auch?
Meine Meerschweinchen bekommen für die Abnutzung ihrer Zähne
ausschließlich Heu und immer wieder frische Zweige von Obstgehölzen.
Am liebsten mögen sie die Zweige von Quittensträuchern, gefolgt von
Apfel und Birne. Auch Kirsche mögen sie, weniger gerne
Zwetschgenbäume. Die kleinen zarten Holzaustriebe fressen sie mit
Stumpf und Stiel, man könnte meinen es sind Abkömmlinge der
Biber.....
Wenn die Zweige etwas stärker, also etwa fingerdick sind, wird die
nährstoffreiche Rinde rundum abgenagt.
Die Sache mit den Zähnen ist aber nicht das eigentliche Problem bei
der Fütterung von Brot und Bäckereierzeugnissen (Semmeln, Brezen,
ect. )
Viel schwerer wirken sich die damit verbundenen gesundheitlichen
Langzeitschäden aus.
Dunklere Brotsorten enthalten Sauerteig, unterschiedliche
Getreidesorten und diverse Gewürze, Salz und diverse, für den
Verbraucher nicht immer erkennbare oder deklarierte Backtriebmittel.
Vor allem das von mir als „Industriebrot“ bezeichnete Brot aus
Großbäckereien ist eher im Chemielabor entstanden, nach dem Motto:
Möglichst viel Volumen und Gewicht bei einem möglichst geringen
Einsatz von hochwertigen Rohstoffen erreichen.
Bei Weißbrot kommt Weißmehl, Hefe, ggf. Öl und Salz zum Einsatz,
zumindest wenn es nach traditioneller Art gebacken wird.
Bei der Herstellung von Brötchen kommen verschiedene Zusätze zum
Einsatz. Folgende, für den Menschen als unbedenklich geltende Stoffe
werden zugesetzt:
Lecithin, Genusssäuren wie Zitronensäure (wird aus Schimmelpilzen
hergestellt) und Essigsäure (ein reines Industrieprodukt) , Zucker,
Malzextrakt, Guarkernmehl (ein Verdickungsmittel), Soja- oder
Bohnenmehl, Emulgatoren (veresterte Glyceride),
Diacetylweinsäureester, gehärtete pflanzliche Öle, Phosphat
(Trennmittel), Säureregulatoren wie Calciumcarbonat oder
Calciumsulfat, Enzyme, Mehlbehandlungsmittel wie Ascorbinsäure
(Vitamin C) (das wäre ja noch gut, wenn es die Temperaturen beim
Backen überstehen würde) oder L-Cysteinhydrochlorid, Cystein, Aroma-Präkursoren
für den Brötchenduft.
Bei Laugengebäck und Brezen kommt zusätzlich noch Natronlauge und
eine extragroße Portion Salz zum Einsatz.
Getreide in der Meerschweinchenernährung ist problematisch und
umstritten (auch im Trockenfutter), da es sehr viel Stärke enthält,
die für Meerschweinchen nicht nur sehr schwer verdaulich ist,
sondern auch im Darm in sog. Einfachzucker aufgespalten wird.
Dass sog. Haushaltszucker in der Ernährung von Meerschweinchen in
keiner Form gesund ist, steht außer Frage.
Dieser durch chemische Prozesse im Darm der Meerschweinchen
entstandene Zucker wird, sofern die Energie nicht kurzfristig
verbraucht wird, sofort als Fett im Körper angelagert.
Die überschüssigen Einfachzucker fangen, wie übrigens beim Menschen
auch, im Darm zu gären an, verändern das ohnehin schon empfindliche
Darmmilieu der Meerschweinchen und es entstehen sog. Fuselalkohole.
Diese Gärung wird durch Hefen verursacht, die sich bei einem
schlechten Darmmilieu zu stark ausbreiten.
Die im Brot und den diversen Bäckereierzeugnissen enthaltenen
Gewürze sind für die empfindliche Verdauung der Meerschweinchen oft
auch einfach nicht geeignet. Oft sind sie zu scharf.
In Brot und allen Bäckereierzeugnissen ist Salz enthalten, und das
nicht zu knapp. Durch dieses Zuviel an Salz können Blasen und
Nierenerkrankungen entstehen.
Der Sauerteig und die anderen Backtriebmittel, wie Bäckerhefe wirken
sich auch nicht gerade positiv auf die Darmflora aus. Sie wird
„übersäuert“ und es kommt ebenfalls zu Gärungsprozessen.
Zu den diversen Zusatzstoffen die den Brötchen/Semmeln möchte ich
nur folgendes sagen: Essigsäure, Zitronensäure, künstliche
Aromastoffe und Konservierungsstoffe stellen schon in der
menschlichen Ernährung ein leichtes Gesundheitsrisiko dar. Wie kann
so etwas dann für den wesentlich kleineren Körper eines
Meerschweinchens gesund sein?
Brot ist übrigens auch in manchen Fertigfuttermischungen, die im
Zoohandel erhältlich sind, enthalten. Es ist gut getarnt, als
appetitlich bunte Stückchen, orange oder grün gefärbt, so dass es
den Eindruck erweckt es sei getrocknetes Gemüse.
Aus
England kommt die Warnung, dass ein Zusammenhang zwischen
den Farbstoffen, die in Meerschweinchenfutter verwendet werden (E133, E102,
E110 und E124) und Blasenproblemen bestehen kann. Man berichtet über
einen signifikanten Anstieg von Entzündungen der Harnwege und
Nieren/Blasensteinen bei Tieren, die viel „buntes“ Futter aufnehmen.
90% dieser Tiere zeigten extrem hohe Zuckerwerte im Urin. Nach drei
Wochen einer Diät aus Heu, Kohl und gemahlenem Hafer lagen die
Zuckerwerte entweder im Normalbereich oder waren erheblich besser.
Bei den Tieren, deren Messwerte sich normalisiert hatten, stiegen
diese nach Fütterung des gewohnten "farbigen" Futters innerhalb von
6 Wochen wieder auf Extremwerte an. Bei schlecht therapierbarem
Lippengrind oder wenn Unklarheit über potentiell schädliche
Farbstoffe im Futter besteht, einfach mal einen Glukose-
Teststreifen in den Urin halten.
Diese Studien wurden im Cambridge Cavi Trust Veterinary Hospital in
England von Vedra Stanly- Spatcher durchgeführt.
Quelle: Frau Meiers kleine Schweinereien
www.fraumeier.org Mit
freundlicher Genehmigung des Autors Dr. Wenzel
Vielen Dank an Frau Meier (vertreten durch Dr. Wenzel)! |
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Mögliche Folgen der Fütterung von Brot und Bäckereierzeugnissen
Blasenentzündungen
Hohe Zuckerwerte in der Nahrung beeinflussen den pH-Wert des Urins
und säuern ihn an. Das kann zu einer Blasenentzündung führen.
Durchfälle
treten nach Aufnahme verdorbenen, verschmutzten, erhitzten,
gefrorenen, feuchten oder schimmligen Futters auf. Jede Störung der
Darmflora kann zur unkontrollierten Vermehrung von
Mikroorganismen führen, welche die zellulose- verdauenden Bakterien
überwuchern. Oftmals sind an altem Brot bereits Schimmelsporen zu
finden, von denen die toxische und somit krankmachende Wirkung
bekannt ist, nicht nur bei Menschen.
Toxikose
Bei hohem Energieverbrauch und gleichzeitiger mangelnder
Energieversorgung kann es zu einer fatalen Entgleisung des
Kohlenhydrat- Stoffwechsels kommen, die durch erhöhtes Auftreten von
Ketonkörpern in Blut und Harn gekennzeichnet ist. Das ist meistens
bei verfetteten Meerschweinchen insbesondere in der Trächtigkeit der
Fall. Es entsteht die gefürchtete Trächtigkeitstoxikose
Blähungen/Trommelsucht
Entsteht als Folge von Fehlgärungen im Darm und Blinddarm. Stärke
wird zu Zucker abgebaut welcher durch Hefen vergoren wird. Es bilden
sich Gase, die nicht entweichen können, so dass der Darm aufbläht
und die Tiere hochgradige Bauchschmerzen erleiden. Unbehandelte
Blähungen können tödlich enden!
Verfettung
Überschüssige Energiezufuhr durch übermäßige Aufnahme von Kalorien
in falschem Futter führt bei nichtverbrauchter Energie zu
Fettanlagerungen. Übergewichtige Tiere werden faul und neigen zu
Bewegungsmangel. Daraus resultieren Erkrankungen wie Ballenabszesse,
Herz-Kreislauf- Erkrankungen Skelettdeformierungen an den Beinchen,
Gelenkerkrankungen und sog. Wohlstandskrankheiten wie Diabetes.
Verstopfung
Kann als Folge der Verfütterung von stärkehaltigen Futtermitteln wie
Brot oder Bäckereierzeugnissen entstehen, wenn nicht genügend Wasser
aufgenommen oder angeboten wird. Bei älteren Böcken kann es
auch zur Verstopfung der Perinealtasche führen.
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