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Trächtigkeit und Geburt






Wann ist das Weibchen paarungsbereit und wie erfolgt der Paarungsvorgang?

 

Biologisch gesehen können Meerschweinchen sich das ganze Jahr über paaren. In unseren Breitengraden ist das aber im Winter ein bisschen schwierig, weil es in einigen Regionen bitter kalt wird. Dann sollten Geburten nur stattfinden, wenn den Müttern und Babys ein gut isolierter Stall zur Verfügung steht.

Die „Hitze" tritt ca. alle 16-18 Tage für ca. 6 Stunden ein. In dieser Zeit hat der Bock sehr viel zu tun. Er muss werben, schnüffeln purren und bromseln. Er umkreist das Weibchen ständig und lässt in regelmäßigen Abständen seine Hoden hervortreten. Wenn das Weibchen seine Bereitschaft zeigt, versucht er aufzureiten. Der Akt als solches ist keine so große Sache. Das Weibchen zeigt dass es willig ist, indem es seine Hinterbeine nach hinten streckt und die Genitalien anhebt. Danach folgen mehrere Paarungsakte im Abstand von mindestens 1 Minute, die jeweils nur 15-30 Sekunden dauern. Um seine Nachkommenschaft zu sichern, verschließt das Männchen die Vagina mit einem Schleimpfropf, der nach ein paar Stunden wieder verschwindet. So sichert das Männchen, dass nur seine Gene weitergegeben werden. Ca. 14 Tage nach der Befruchtung kann man bereits das Bäuchlein erkennen und die Waage wird es bestätigen.

Wie erkenne ich, ob mein Weibchen trächtig ist?

Zunächst wird das Bäuchlein etwas praller, so als ob es Blähungen hätte. Ab der 4.-5. Trächtigkeitswoche kann man die Babys bereits durch ganz vorsichtiges Abtasten des Bauches fühlen.

Dauer der Tragzeit

Meerschweinchen haben für ein Nagetier eine verhältnismäßig lange Tragzeit. Sie dauert etwa 64-72 Tage. Beim erste Wurf kann man meistens nur 1-2 Junge erwarten, die dann aber möglicherweise ein relativ hohes Gewicht von 100 – 140 g haben. Bei mehreren Jungen ist die Tragzeit eher am unteren Limit und das durchschnittliche Geburtsgewicht bei 50-70 g.

Was ist während der Trächtigkeit zu beachten?

Man sollte die trächtigen Weibchen nicht unbedingt herumtragen oder hochheben. Die Ernährung darf während der Trächtigkeit wegen der Gefahr einer Toxikose nicht umgestellt werden. Ein paar Kalorien mehr dürfen es jedoch schon sein. Ein paar Haferflocken oder Pelletfutter mit ausgewogener Zusammensetzung als Zusatzfutter sind zusätzliche Energiespender.

Stress ist zu vermeiden.

Eine ausgewogene, vitaminreiche Ernährung sollte bei jedem Meerschweinchen selbstverständlich sein, nicht nur während der Tragzeit.

Das Gewicht muss zunächst einmal wöchentlich, in den letzten 3 Wochen jeden 2. Tag kontrolliert werden, um eine Trächtigkeitstoxikose  frühzeitig zu erkennen.

Kann man bei der Geburt helfen?

Die Wehen setzen ca. 20 Minuten vor der Geburt ein. In der Regel erfolgt eine Meerschweinchengeburt innerhalb ca. 1 Stunde und ein eingreifen des Menschen ist nicht erforderlich, man sollte sie auf jeden Fall ungestört lassen. Sollte die Geburt wesentlich länger dauern, 4 Stunden oder mehr, und gibt die Mutter dabei häufige Schmerzlaute von sich, brauchen Sie schnellstens einen Tierarzt. Auch bei Tierärzten gibt es einen Notdienst !

Wenn andere Weibchen im Gehege sind, so übernimmt meistens ein Weibchen die „Wache".

Video einer Meerschweinchengeburt

Die Babys

Die Babys sehen gleich nach der Geburt aus wie Miniaturausgaben der erwachsenen Meerschweinchen. Sie haben sofort nach der Geburt den Fluchtreflex, sind voll bewegungsfähig und folgen der Mutter. Das Gewicht sollte bei mindestens 50 g wiegen. Leichtere Babys brauchen wahrscheinlich Ihre Hilfe. Lassen Sie sich vom Tierarzt beraten. Interessant ist, dass die Babys ihre Milchzähne bereits zwischen dem 43. und 47. Tag der Trächtigkeit durchbrechen und bis zum 55. Tag bereits wieder resorbiert sind. Die bleibenden Zähne brechen vollständig bis zur Geburt durch.

Die Babys werden ca. 21 Tage gesäugt, obwohl sie schon wenige Stunden nach ihrer Geburt beginnen feste Nahrung zu sich zu nehmen. Nach 3 Wochen wird abgestillt. Die Meersau hat nur 2 Zitzen. Wenn mehrere Mütter gleichzeitig Junge haben, ist es in der Regel so, dass sich jede Mutter um alle Jungen kümmert. Die Babys können sich dann an jeder „Bar" bedienen, die gerade geöffnet hat.

Lesen Sie hier über die Entwicklung der Babys.

Der kleine Unterschied...

....ist bei den Babys manchmal noch nicht so sicher zu erkennen. Aber spätestens ab der 3. Lebenswoche kann man ganz sicher erkennen, ob es ein Männchen oder ein Weibchen ist. Die Geschlechtsregion ist bei den Weibchen eher Y-förmig. Bei den Männchen kann man den innen liegenden Penis durch sanften Druck „ausfahren".

 

Weibchen, wie ein Y

Männchen wie ein i

 

Der Vater

Der Vater darf gerne bei der Geburt dabei sein, er wird die Babys sicher liebevoll behandeln und auf sein Weibchen aufpassen. Aber Achtung: Die Weibchen sind ca. 2-12 Stunden nach der Geburt wieder empfängnisbereit! Deshalb sollten sie den Vater allerspätestens dann aus dem Gehege/Käfig holen. Besser aber vorher, gleich nach der Geburt oder noch früher. Die Trächtigkeit, die Geburt und die Aufzucht sind für die Weibchen sehr anstrengend, sie sollten nicht sofort wieder schwanger werden. Dies verkürzt die Lebenserwartung des Weibchens und oftmals sind bei der nachfolgenden Geburt tote Jungtiere dabei.

Der Vater darf natürlich dann nicht alleine bleiben, nur weil sein "Job" hier vorläufig endet. Wenn sie nicht weiterzüchten wollen, sollten sie über eine Kastration nachdenken. Andernfalls brauchen sie einen geeigneten Gesellschafter für ihr Böckchen, z. B. ein Jungböckchen mit dem es vorläufig zusammen bleiben kann. 

 

 Mögliche Komplikationen

1.Meerschweinchenweibchen haben, wie viele Säugetiere, eine Symphyse. Das ist eine knorpelige Kontaktstelle zwischen Scham- und Sitzbeinen der rechten und linken Beckenhälfte, die während der Trächtigkeit durch den Einfluss der Östrogene in schleimiges Bindegewebe umgewandelt und geweitet wird, damit die Babys den Geburtskanal passieren können. Das ist bei uns Menschen genau so. Das Becken wird zusätzlich von den Beckenbändern zusammengehalten. Die Symphyse lockert sich ab dem letzten Trächtigkeitsdrittel und öffnet sich ca. 5 Tage vor der Geburt 1,5 - 2 cm breit. Das kann man ertasten und als Hinweis dafür nehmen, dass die Geburt kurz bevor steht.
Der erste Wurf sollte innerhalb des ersten Lebensjahres erfolgen, weil die Beckenbänder und die Symphyse sonst durch den fehlenden Einfluss der Östrogene und die fehlende mechanische Dehnung ihre Elastizität verlieren. Bei einer späteren Trächtigkeit kommt es mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Komplikationen, weil die Babys dann nicht durch den Geburtskanal passen. Ebenso verhält es sich, wenn der letzte Wurf länger als 12 Monate zurück liegt oder das Weibchen älter als 3 Jahre ist. Bei älteren Weibchen sinkt der Östrogenspiegel im Rahmen des natürlichen Alterungsprozesses und die Beckenbänder können nicht mehr genügend gedehnt werden.

2. Trächtigkeitstoxikose

3. Geburtsstockungen, weil beispielsweise die Babys ungünstig liegen

 

Video einer Meerschweinchengeburt




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  ©Eva-M. Ganslmeier